BONOBO'S Newsletter 39


Moin -
Es ist wieder Zeit. Der letzte Newsletter war vom 5. September.
!!! Hinweis: Das nächste Telekommunikations-Thekengespräch findet nicht wie gewohnt morgen, am ersten Donnerstag im Monat, sondern aufgrund des heutigen Feiertags erst am Donnerstag, 11. Oktober, statt. !!!

BONOBO'S News:

Donnerstag, 6. September 2007, 47. TK-Thekengespräch
Es war eine nette Runde im BONOBO'S. Unsere Gäste hatten hoffentlich so viel Spass, wie wir. Den Old-School-Problemmachern in den Firmen der heutigen TK-Welt haben definitiv die Ohren geklingelt.

AUS DEM LEBEN:

Das wilde Leben: Lanu und ihre Sentinels mit ihren exitorientierten Unternehmensmeldungen. Das ist besser als Gulasch mit Nudeln. Das ist der Cognac in der Gulaschsauce. Für alle die das und noch viel mehr wissen wollen: Lanu und ihre Sentinels rocken ihren Amadeus immer noch auf: http://www.boocompany.com.Und Lanu rockt die Sologitarre dazu noch auf http://lanu.blogger.de/. Und das ist auch gut so.

Unser Rum-Lexikon und unsere Rumbuddeln sind noch lange nicht leer. Nachdem Ihr, liebe Tresen-Kinder, letztes Mal lernen durftet, was am Black Tot Day (July 31st, 1970) passierte, haben wir diesmal eine spannende Frage aus dem Tierreich: wtf is "sucking the monkey"? Hier die Essenz aus dem Lexikon:

Sucking the Monkey - An unlawful prank and a violation of Admiralty Regulations undertaken by "Jack" (Anmerkung: das ist der normale Matrose...) in older times in the West Indies when he would fill empty coconuts ashore with rum and then bring them back on board ship filled with the illegal rum.

Und wer sich jetzt als mega-alt outen möchte, fragt noch, was "wtf" heisst. Das ist eine moderne Chatroom-Abkürzung und steht für "what the f**k". Setzen. Sechs.

Anmerkung: Das Mitbringen von mit Rum gefüllten Kokosnüssen in das BONOBO'S ist ausdrücklich erlaubt. Der Träger dieses Schatzes wird mit allen Ehren empfangen und darf allen einen kräftigen Rum spendieren, bevor wir ihn - strikt nach alter wikingerischer Tradition - mit der Opferkeule ein paar Zentimeter verkürzen.

Wie so häufig, wurde am Tresen Kritik an unserer negativen Einstellung zu den heutigen Telekommunikationsunternehmen, ihren Führungskräften und Mitarbeitern, geübt. Dazu können wir nur mit dem alten und geschätzten Iren und Mitbegründer der englischen Labour Party, George, antworten: "Humor ist die Höflichkeit der Verzweiflung" (G.B. Shaw). Und wer würde uns schon zuhören, wenn wir schluchzend am Tresen hängen und darüber jammern würden, dass so wichtige Dinge wie Aufrichtigkeit, Respekt und Vernunft nicht mehr existieren, während die Tränen wegen der Erinnerungen an schöne Projekte, gute Menschen und Zeiten langsam sich ihren Weg durch die notwendige Schutz-Schminke bahnen würden. Niemand. Inne Klapse würden wir landen.

Uns zu kritisieren ist selbstverständlich erlaubt und, weil wir intellektuell verstrahlt sind, sogar erwünscht. Wer das möchte, und er oder sie sei hiermit herzlich dazu aufgefordert, darf zu den anderen dreihundert Leuten in den Kohlenkeller gehen und kräftig mitschippen, damit wir unseren Hintern hier oben schön anne Heizung wärmen können. Wenn sie dann nicht mehr schneller schippen können, werden wir den Schweiß dieser Kritiker mit Wachs abnehmen, die Essenz destillieren und das so gewonnene Parfum an all die arbeitsscheuen und jammernden Leiter, Halbleiter, Hohlleiter und Mitarbeiter in den großen Unternehmen verkaufen, die dann zumindest nach echter Arbeit riechen können.

Wer mal wissen will, warum wir meinen nicht so desolat zu arbeiten und lieber einfache Prozesse mögen, der mag die folgende Schilderung unseres Kernprozesses "beer provisioning" lesen. Der BPP (beer provisioning process) besteht aus den Kernbestandteilen Auftragsannahme, Produktherstellung, Lieferung und Billing & Collection. Parallel laufen die Prozesse customer care (Schmalzschnittchen bereitstellen, Gelabere anhören), network provisioning (Bier einkaufen) und network operations (Kneipe instandhalten, Bierleitungs-Störungen beseitigen etc.) ab. Der Prozess BPP ist einfach: Bestellung entgegennehmen, Bier zapfen, Bier mit Bierdeckel auf den Tresen stellen, 2,- € verlangen und das Geld in die Kasse tun. Das sind unsere Prozesse.

Wenn wir so arbeiten würden, wie ein großes Telekommunikationsunternehmen, dann würden wir das Geschäft von unseren Tresenschlampen auf hochdotierte Führungskräfte migrieren. Das Ganze würde dann so aussehen:

Wir würden damit werben, jeden Tropfen Bier einzeln zu berechnen: „ Bei uns bezahlen Sie keinen Tropfen Bier zu viel“. Man hätte die Auswahl ob man jeden Tropfen Bier einzeln oder immer in Einheiten von 10 Tropfen bezahlen möchte. Jeder Tropfen einzeln kostet natürlich extra.

Die Gäste könnten sich 3 Monate mit Bier und Korn betrinken, bis sie das erste Mal bezahlen müssten.
Die Hälfte des Korns würde nicht berechnet werden. Dafür werden nach 3 Monaten alle bis dahin getrunkenen Biere tropfengenau abgerechnet.

Zwischen 12 und 14 Uhr und 18 und 22 Uhr kostet das Bier das Doppelte. Man könnte in jeder Kneipe Deutschlands Bier trinken, ohne gleich dafür zu bezahlen. Man muß nur angeben, bei welcher Kneipe man Stammkunde ist.

Alle Kneipenbesitzer Deutschlands würden die verkauften Biere mit den übrigen Kneipenbesitzern tropfengenau verrechnen. Wer mehr als zwei Bier täglich in der gleichen Kneipe trinkt, bekommt einmal im Monat gratis einen Korn zum Bier.
Wechselt man seine Stammkneipe, erhebt der Wirt (alt) eine Gebühr in Höhe von 2 Flaschen Korn, die man dann bei der neuen Stammkneipe wieder erstattet bekommt.

Ein Bier, das man in Ruhe genießt und das ausgerechnet kurz vor sechs Uhr, wird Schlag 6 weggenommen. Wenn man den Korn (nach diesem Schreck) noch trinkt, wird dieser selbstverständlich zum doppelten Korn-Peak-Preis abgerechnet.

Als Knüller würde dann die Bier-Flatrate kommen. Soviel Bier, wie man will, wenn es Astra ist. Will man ein Flens, kostet das extra.

Bei einigen Kneipen würde Korn nichts kosten, da man sich noch nicht auf einen Preis einigen konnte.
Trinkt der deutsche Michel auf Ibiza ein deutsches Bier, so ist der Preis vom Staat reguliert und wird in der Heimat bezahlt.

Findige Marketing-Strategen würden schöne neue Namen für Kneipen, die früher „Bei Erna“, „Bierbrunnen“ oder eben "BONOBO'S" hießen, erfinden, so z.B. "The Beer Shop", "The Beer People“ oder "The Beer Company“. „Bei uns bezahlen Sie jeden Tropfen Bier einzeln“ wird in diesem Rahmen auf die Formel „Tropfen by Tropfen“ verkürzt. Ein paar Übereifrige würden daraus "drop by drop" machen, was dann mit "The Dropping Quality" auf die absolute Spitze getrieben würde.

Man spricht auch nicht mehr von der Stammkneipe sondern dem „Preselected Beer Provider“. Die volle Kostenkontrolle ist ein wesentliches Kriterium bei der Auswahl des pre-selected beer providers. Jeder Stammkneipenkunde erhält daher am Monatsende einen kostenlosen Einzelbiernachweis (EBN), in dem der Zeitpunkt des Verzehrs und der Füllstand des Bieres ausgewiesen sind.

Wenn dann das erste Unternehmen meint, jetzt den consumer market richtig aufrollen zu wollen, dann wird nur noch ein Bier produziert, aber aus zehn verschiedenen Hähnen mit anderen Namen ausgeschenkt und zu anderen Preisen verkauft. So werden dann vier verschiedene Biere mit dreihundert verschiedenen Marken und Preisen verkauft.

Eigentlich wollten wir nur ein Bier. Frisch gezapft. Für zwei Euro. Oder telefonieren mit Oma.

Nach diesem anstrengendem geistigen Erguß verbrachten Häuptling, Wikinger-Gefolgsleute und auf ausgedehnten Beutezügen erraubte und nur leicht beschürzte Sklaven und Sklavinnen einen netten Abend und liessen in ihrer kleinen irdischen Walhalla die wikingerischen Gesänge erklingen. Dabei wurden die wichtigsten Fragen des Lebens erörtert:

Wenn Maisoel aus Mais gemacht wird, wie sieht es mit Babyoel aus?
Wenn Superkleber wirklich ueberall klebt, warum dann nicht auf der Innenseite der Tube?
Warum muss man fuer den Besuch beim Hellseher einen Termin haben?
Wenn es heute 0 Grad hat und morgen doppelt so kalt werden soll, wie kalt wird es morgen?
Warum gibt es kein Katzenfutter mit Maus-Flavour?
Wie würden Stühle aussehen, wenn wir die Kniescheiben hinten hätten?
Warum laufen Nasen, während Füße riechen?
Warum benutzt man für "Tödliche Injektionen" in den USA sterilisierte Spritzen/Nadeln?
Wie kommt ein Schneepflugfahrer morgens zur Arbeit?
Ist Angela Merkel wirklich ein hormonbehandelter George Bush?
Warum besteht Zitronenlimonade größtenteils aus künstlichen Zutaten, während in Geschirrspülmittel richtiger Zitronensaft drin ist?

Ist wirklich der vorübergehende Engpass auf dem Hamburger Schwarzmarkt für gutes Haschisch damit zu erklären, daß die Katholische Kirche zum Generalangriff jetzt auch auf den Hanseaten geblasen hat und zum Zwecke der Mitgliederwerbung im Weihrauchschwenker ordentlich nachgelegt und dafür den Markt leergekauft hat?

Wie so oft klang der Tresenabend damit aus, dass die Tresenmannschaft samt Gästen die paar Meter bis anne Ostsee an den Behelfstresen runterwanderte. Einen kleinen Rum inne Hand, Gesicht gen Osten zum Sonnenaufgang, ein wahrhaft munteres Wikinger-Liedchen über Thor, Odin und Walhalla auf den Lippen und den Kopf voller unerfüllbarer Träume einer besseren Welt. Dann, genau dann, wenn der Schritt am Ufer der Ostsee verharrt, der Oberkörper sich lässig auf den Behelfstresen stützt, das vertraute und liebliche Quietschen des Korkens der Rumflasche erklingt und die Ostsee Brecher um Brecher gegen's Ufer schleudert, ja, dann ist es wieder da, das Gefühl, dass alles gut ist. ALLE ANTWORTEN SIND IRGENDWO DORT DRAUSSEN. Na gut, gehen wir wieder rein, wir könnten uns erkälten.

Soviel vom Team der allerbesten Tresenschlampen aus St. Pauli und der Strandpiraten und Piratenbräute aus Süssau. Wir pfeifen immer noch aus dem letzten Loch und auf die Probleme der Welt, wie Weltfrieden, Klimawandel, Werte-Kommissionen und Microsoft Mista. Bei uns ist wahrer Frieden an allen Tresen, St. Pauli ist zweitklassig, das Klima ist angenehm und gar nicht katastrophal, die Zapfgeschwindigkeit braucht kein Tempolimit und wenn wir wollen und uns anstrengen, könnten wir sogar nett sein. Wollen wir aba nich.

Wir arbeiten mittenmang in Hamburg St. Pauli, direkt anne Elbe und am Pinnasberg, ein paar Hundert Meter vonne Reeperbahn, Kleine und Große Freiheit, Pinnasberg, Silbersack-, David- und Herbertstraße entfernt. Wir arbeiten auch am Strand der Ostsee, umgeben vom Gelächter der Lachmöwen, dem würzigen Geruch des Seetangs und dem Tosen des Meeres. Und allen Glücklichen hinter und vor dem Tresen geht dieses angenehme Selbstverständnis süffig die Kehle runter. Begrabt unsere Herzen an der Biegung der Theke. Woanders will man uns bestimmt auch nicht haben.

In diesem Sinne, das war's erstmal aus dem BONOBO'S. Das nächste Thekengespräch ist am 11. Oktober 2007. Immer die bekannte eine Fingerbreit Wasser unterm Kiel und eine großzügige Handbreit Jack Daniel's im Glas wünscht das Team vom BONOBO'S.

Und ansonsten:

BONOBO'S Termine:

11.10.07: 48. Telekommunikations-Thekengespräch
05.03.08: 3. CeBIT Hausmesse im Lieb ich 5, Liebigstr.5 in Hannover, nur für geladene Gäste

MERKET AUF: Das BONOBO'S ist nur nach Vereinbarung und zu besonderen Anlässen geöffnet. Und was besondere Anlässe sind, das entscheiden wir. Mehr Info unter http://www.bonobos.info in der Rubrik "Öffnungszeiten".
Für gute Bekannte öffnen wir immer gerne. Kurzer Anruf genügt.

Gruß vom Fischmarkt und vom Ostseestrand...

Für das Team vom BONOBO'S.

Dirk Noellen