BONOBO'S Newsletter 37


Moin -
Es ist wieder Zeit. Der letzte Newsletter ist nun wirklich bannig lang her.
!!! Hinweis: Das Telekommunikations-Thekengespräch ist noch in der Sommerpause. Das nächste Thekengespräch findet im September, wie gewohnt am ersten Donnerstag im Monat, dem 06.09.07, statt !!!

BONOBO'S News:

Mittwoch, 10.05.07, BONOBO'S goes Hagen Rether
Der Kabarettist gab sein Stelldichein im Schmidt's Tivoli auf der Reeperbahn und wesentliche Teile des Teams der besten Tresenschlampen der Welt pilgerten zu ihm. Selten haben wir so köstlich über die verbal karikierte Bundesregierung und den bayrischen Hardcore-Papst gelacht.

Sonntag, 20.05.07, BONOBO'S goes Within Temptation
In großer Besetzung (Vor-und-hinter-dem-Tresen-Team) überfielen wir den D-Club auffe Reeperbahn. Richtige Menschen (die über 30) kennen diesen Club noch als das Dock's. Die niederländischen Düstermänner und -frauen spielten auf. Klasse Konzert. Keinen Wohnwagen gesehen.

Freitag, 25.05.07, BONOBO'S goes FC St. Pauli
Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Als treue Dauerkartenbesitzer und Firmenmitglied der Abteilung Fördernde Mitglieder (AFM) des FC St. Pauli zeigten wir im Spiel gegen Dresden Flagge. Und .... YES.... Wir sind zweitklassig. Nie mehr 3. Liga. Ein Erlebnis. Hinterher feierten ca. 80.000 Fans auf der Reeperbahn den Aufstieg. Mal ein paar Zahlen: Zu Beginn der Saison 2002/03 standen 11.700 verkaufte Dauerkarten zu Buche - mehr als bei fünf Erstligisten und sämtlichen Zweitligisten. Ende der Serie 2004/05, sportlich allenfalls durchwachsen, lag der Zuschauerschnitt bei 16.200 - 12 der 18 Zweitligisten hatten in jener Saison weniger Publikum. Den bisherigen Dauerkartenrekord in der Regionalliga feierte man vor Beginn der Saison 2006/07 mit 12.000 Dauerkarten. Und das alles nur, weil das Stadion zu klein ist.

Dienstag, 12.06.07, BONOBO'S goes Meat Loaf
Noch einmal die große Besetzung. Wir zollten dem Großmeister Tribut und machten das Tresenschiff in der Color Line Arena fest. Stimmlich war der Eddie aus Rocky Horror nicht auf der Höhe. Es ehrt das Hamburger Publikum, diesen Umstand nicht in Schmährufe umgesetzt zu haben, sondern diesem großen Rock'n'Roller den ihm zustehenden Respekt aufgrund seines Lebenswerkes zu zollen. 30 Jahre ist es her, dass die erste Fledermaus aus der Hölle aufstieg und bis zum Morgen wieder verschwand. Meat Loaf, Jim Steinman, Ellen Foley... Wer, der das richtige Alter hat, denkt da nicht an ungestüme Knutschereien, nächtliche Erkundungsausflüge auf der Haut des Freundes / der Freundin? An die ersten zaghaften Versuche das Mysterium des geschlechtlichen Widersachers zu ergründen und als Yves-Jacques Cousteau die unerforschten Ecken des Gegenübers ans Tageslicht zu bringen? Und jetzt - nach 30 Jahren - verstehen auch die meisten Grünschnäbel von damals, das das "paradise by the dashboard light" wirklich "long ago and far away and so much better than today" ist. Am Tresen nudelte die ganze Nacht die Musik von Meat Loaf. Und alle kannten die Texte auswendig. Nach einigen Stunden konnten bestimmt auch unsere Nachbarn die Texte mitsingen.

Mittwoch, 13.06.07, BONOBO'S goes Hurentour
Noch völlig geplättet vom emotionalen Höhenflug des Vortages, dessen Intensität durch flüssige Auftriebsbeschleuniger nachhaltig beeinflusst wurde, bereiteten wir das nächste Event vor. Aufgrund der Zugehörigkeit des Tresenbosses zu HOW (Hamburger Offiziere in der Wirtschaft) luden wir ins BONOBO'S ein. Und damit das nicht zu männlich wurde, luden wir gleich die Eventwerker aus Hamburg mit ein. Pünktlich um 20:00 Uhr holte uns die Barkasse am Anleger Fischmarkt zur Hurentour ab. Die Hurentour in Hamburg ist eine Fremdenführer-Tour über die Geschichte der Hamburger Prostitution, live und ohne Ansteckungsgefahr. Während der anderthalbstündigen Barkassenfahrt durch den Hamburger Hafen erfuhren wir von der Gästeführerin in historischer Hurentracht alles über Prostitution in Hamburg und weiteren bekannten Hafenstädten. Sie zeigte uns, an welchen Stellen nicht nur die Reeder auf ihre Schiffe warteten; sie erklärte die Aufgaben der Barkassenhuren, wie Zuschickfrauen und Schlafbaaswirtschaften zusammen Seeleute betreuten und warum die Tätowierer so beliebt bei den Sailors waren. Um 21:30 Uhr legt die Barkasse wieder am Anleger Fischmarkt an. Danach segelten die Müden nach Hause, die wackeren Wikinger nahmen ein Ankerbier und einen kleinen Mittelwächter im BONOBO'S ein. Da wir die Getränke und das Essen gesponsort haben, ächzten die Spanten des Schiffchens der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger vor Vergnügen. Dank an alle Spender!

Samstag, 30.06.07, BONOBO'S goes Strand-Galerie Süssau
Tja. Wer das verrückte Tresenteam kennt, dem ist bewußt, dass wir immer noch einen draufsetzen können. So haben wir jetzt - nach sechsmonatiger Bauzeit - die Strand-Galerie Süssau fertiggestellt. Süssau ist ein kleiner Ort an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein (kurz vor Fehmarn). Die Solutions Factory GmbH, die zärtlich säugende Mutter des BONOBO'S, hat jetzt ein zweites Baby anne Brust. Wir haben uns als schwer arbeitende Hamburger Handtaschen-Wedler (neudeutsch: Consultants) ein Recreation-Training-Art-Center gebaut. Auf 220qm können wir uns wieder fit machen. Zum Objekt gehört die Strand-Galerie Süssau, wo sowohl maritime Kunstgegenstände (nein, unsere Meerjungfrau kann man dort nicht käuflich erwerben, das geht nur in Hamburg, und dort nur tage- oder stundenweise...) als auch St. Pauli Fanartikel verkauft werden. Am 30.06.07 hatten wir zur Erfnung eingeladen. Und wir waren hocherfreut über 80 geladene Gäste aus Deutschland, Österreich und Skandinavien begrüßen und bewirten zu können. Die Details der nächtlichen Feier fallen unter die Regularien unserer Vertraulichkeitsvereinbarungen. Am Morgen traf man sich zum Frühstück in der Galerie und dem Atelier. Ganz Mutige überwanden die 10 Meter bis zur Ostsee und tummelten sich in den Fluten. Es waren keine wesentlichen Verluste zu beklagen.

AUS DEM LEBEN:

Immer wieder köstlich zu lesen: Lanu und ihre Sentinels mit ihren exitorientierten Unternehmensmeldungen. Das ist besser als beim After-Work-Club noch mal eben den Marktwert zu testen oder die schnelle Office-Romanze zum Quietschen zu bringen, weil: Das ist echt! Für alle die das und noch viel mehr wissen wollen: Lanu und ihre Sentinels rocken immer noch auf: http://www.boocompany.com.Und das ist auch gut so.

Wir hatten ja in den letzten Newslettern in den Tiefen unserer Bibliothek gekramt und ein englisches Rum-Lexikon aufgetan. Um den Inhalt und die Feinheit der englischen Sprache hier nicht zu verfremden, zitieren wir immer das Original. Jedem ist jetzt klar, was "tot", "sip", "gulp" und "sandy bottom" bedeuten (der geneigte Leser und Trinker erinnert sich: 3 ‘wets’ (a tiny, tiny sip) equaled 1 sip. 3 sips equaled one gulp. 3 gulps equaled one tot), heute nun die Erklärung zu einigen weiteren Fachbegriffen:

Pusser / Pusser's Rum: Nothing more than a corruption of the word Purser by the sailors after the officer responsible for the daily issue of rum - thus the name Pusser's Rum.

Jack / Jack Tar: Jack is a generic name for all British sailors, derived from Jack Tar in the 18th and 19th centuries. Sailors in those years used high-grade tar in their clothing and hair for waterproofing. And the term, "Jack-of-all-trades," described a sailor who could turn his hand to anything, is widely used today.

Jack Dusty and the Tanky: These two men, under the "Pusser," were responsible for doling out the daily tot of rum - or "grog" - to sailors on board ship. Jack Dusty comes from "Jack of the Dust" who was once the Pusser's steward employed in the bread room working with with flour. In later years, the Jack Dusty was assigned the task of meticulously maintaining daily book-keeping and inventory record's for the ship's rum. The Tanky was the Jack Dusty's assistant, whose job it was to tend the fresh water tanks and to mix the Pusser's Rum with the correct amount of water for the grog issue. The selection of the Tanky required discrimination since Tanky could develop into the biggest "rum rat" of all if he was inclined that way and not someone to be trusted.

Nelson's Blood - Another name for Pusser's Rum, and still in use today by old salts - especially in Great Britain's Royal Navy! At the Battle of Trafalgar on October 21st, 1805, Admiral Horatio Lord Nelson engaged the combined fleets of Spain and France. His flagship was HMS VICTORY. Although outnumbered, he sank or captured 17 of the enemy's ships to not a single loss of his own. This victory still lives as one of the greatest in the annals of naval warfare. Unfortunately, Nelson was mortally wounded and died knowing that victory was his. Legend has it that to preserve his body for the long passage back to England, that it was placed into a large cask of Pusser’s Rum. Upon arrival, when the cask was opened, his pickled body was removed, but the jack tars had drilled a small hole at the base of the cask through which they drained most of the rum, thereby drinking of Nelson’s Blood. Since then, the term Nelson’s Blood has become synonymous with Pusser’s Rum, and is still in wide use today.

Jetzt muss keiner unserer Gäste im BONOBO'S dumm sterben... Und wieder rührten wir rührselig rezitierend im rauchigen Rum rücksichtsvoll richtig rechts rum.

Von den Sailors der Royal Navy zu den Damen des FC St. Pauli (das ist wirklich kein weiter Weg). Die Mädels auf St. Pauli sind besonders. Besonders stark und besonders schön. So hat ein berühmter Fußballreporter über den FC St. Pauli philosophiert: "Der Verein mit dem höchsten Frauenanteil in der Fanszene in Deutschland ist eindeutig der FC St. Pauli. Und hier geht es nicht nur um Masse, sondern erst recht um Klasse. Am Millerntor werden Woche für Woche die feuchten Träume des Privatfernsehens Realität." Dazu passt der wiederholte Deutsche Meistertitel der Frauen des FC St. Pauli. ... Nein, nicht im Frauenfußball (das machen ja die Männers) sondern... Na?....kann gar nichts anderes sein als: ...? ... Ja, stimmt. Die FC St. Pauli Frauen sind zum sechsten Mal Deutscher Rugbymeister geworden. Die können eben nicht nur klasse aussehen sondern auch im Gerangel kräftig zupacken...

Aus einem Buch über die Entwicklung des Fußballs in St. Pauli: "Der typische St.-Pauli-Fan ist eben anders als der unterprivilegierte Old-School-Rabauke mit speckiger Jeans-Weste und restringiertem Wortschatz. Letztlich sind die Fans des FC St.Pauli die Avantgarde des Fußballbusiness." Wir haben beschlossen jetzt ganz im Zeichen der Avantgarde und unter Berücksichtigung der femininen Besonderheiten des Millerntors unseren Firmen-Dauerkartenplatz innerhalb des Kuchenblocks (Haupttribüne Millerntor-Stadion) zu verlegen. Ab sofort (das ist kein Scherz), sitzen wir aus rein humanitären Gründen bei den Spielerfrauen. So können wir bei den seltenen Niederlagen tröstend, bei Fouls schlichtend und bei Freude unterstützend eingreifen.

Von den zupackenden Frauen zu unseren Erläuterungen (am Tresen gesammelt) zu stinkigen Landratten und dem Segeln. Die Crew des BONOBO'S hält es für ihre Pflicht den sogenannten "stinkigen Landratten" mal was über die Trinkgewohnheiten beim Segeln zu erklären. Böse Zungen und Neider behaupten, alle Ausreden zum Trinken würden an Bord wahrgenommen werden. Dem ist nun man gar nicht so. Vielmehr wird beim Segeln akribisch auf die Tradition geachtet und die jahrhundertealten Bräuche werden strikt und unverändert, manchmal unter Beifügung historischer Moritaten und aktueller Heldengesänge, umgesetzt. Da wir im BONOBO'S die Segelschifffahrtstradition aufrecht erhalten, müssen zugelassene Mitsegler in unserer Bar die Details beherrschen. Übrigens: sieht das Wort "Schifffahrt" mit drei "f" nicht fürchterlich aus? Aber zurück zu der Tradition. Hier die Erklärung der wichtigesten Trinkanlässe und weiterer wichtiger Fachbegriffe anhand eines fiktiven Segeltörns mit Auslaufen um 08:00 Uhr morgens (all times local):

Auslaufbier ist die Bierrunde, die nach Passieren der Hafenmolen (das sind die Stein- oder Betonmauern, auf denen stinkige Landratten sitzen und angeln oder Mutti die tolle Aussicht zeigen. Runterschubsen ist leider verboten, aber insgeheim werden Prämien von bis zu 10,- Euro pro versenkter Landratte gezahlt) und/oder dem Setzen der Segel ausgegeben wird. In unserem Beispiel also um etwa 08:15 Uhr LOT (local time). Auf keinen Fall beim oder direkt nach dem Ablegen, da unvorsichtige Bewegungen der noch müden Crew (Besatzung eines Schiffes oder Bootes) die Flaschen beschädigen könnten. Meist ist das Auslaufbier die erste Amtshandlung des Getränkemeisters. Der Getränkemeister ist von Gottes Gnaden, also vom Skipper (auch Käpt'n genannt, in der Position wie der Papst: Vertreter Gottes auf'm Wasser statt auf Erden), ernannt worden und hat die Getränkelogistik zu verantworten (Planen, Einkaufen, Stauen, Deklarieren, Ausgeben). Das Vergessen des Auslaufbiers hat so manchen Getränkemeister bereits unfreiwillig seines Amtes enthoben und der Schmach der Zweitklassigkeit und der maritimen Bedeutungslosigkeit preisgegeben. Der Skipper beschwört beim Auslaufbier die (für Seeleute einzig wahren) Götter Neptun und Rasmus und stößt auf "ruhige See, gute Winde und immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel" an. Neptun und Rasmus bekommen dabei die ersten zwei kräftigen Schluck geopfert. Wer als Skipper zu geizig bei dieser Opfergabe ist, wird sowohl von Neptun und Rasmus gestraft als auch von der Crew als unfähig angesehen. Immerhin setzt er damit das Leben der Crew der göttlichen Willkür von Neptun und Rasmus aus. Anstelle des Biers kann auch ein anderes alkoholisches Kaltgetränk serviert, geopfert und getrunken werden. Am Rande bemerkt: stinkige Landratten sagen häufig "Kapitän" statt "Käpt'n". Setzen, sechs.

Es ist üblich seinen Drink kurzfristig und vollständig zu leeren. Eine halbleere Flasche und ein halbvolles Crewmitglied spiegeln die Wertigkeit des Crewmitgliedes wieder. Halbleer oder halbvoll ist wie ein bißchen schwanger.

Um 09:15 Uhr LOT fliegt die Mütze des Skippers über Bord. Nach dem erfolgreichen "Mann-über-Bord-und-Mütze-an-Backbordseite-gefischt-Manöver" wird vom Skipper "Besan-Schot an" befohlen. Besan-Schot an wird nach Anweisung des Skippers nach jedem erfolgreichen Manöver, z.B. Mann über Bord (etwas Wichtiges fällt über Bord, also z.B. die Mütze des Skippers. Stinkigen Landratten wird dieses ehrende Manöver selten gewidmet), Reff (der Skipper hat seinen Drink verschüttet, weil das Schiff so schräg liegt, und lässt deshalb die Segelfläche des Großsegels verkleinern), etc., bei guter Laune natürlich auch nach jeder Wende (mit dem Bug (Vorderteil) durch den Wind) oder Halse (mit dem Heck (Arsch) durch den Wind) ausgegeben. Für Kenner: spätestens beim Gegenankreuzen führt dies zu den lustigsten Erscheinungen und Sichtungen leibhaftiger Meerjungfrauen und wütender Klabautermänner durch nicht-resistente und noch nicht an das strapazöse Bordleben adaptierte Crewmitglieder (die sogenannten "stinkigen Landratten"). Der traditionsbewußte Skipper pfeift dazu ein "Besan-Schot an" mit der Bootsmanns-Maaten-Pfeife, deren Gebrauch stinkigen Landratten hier nicht zu vermitteln ist.

Um 10:30 Uhr LOT wird erfolgreich der Spinnaker (Angeber-Segel für Arbeitsfetischisten) gesetzt. Besan-Schot an.

Wenn der Skipper befiehlt, dass es 11:00 Uhr LOT ist, dann ist "Sherrytime". Dies ist der Eleven-o-clock-Drink bei jeder anständigen Crew und wird an Oberdeck (draußen) genommen. Muß Sherry sein. Kein Sherry an Bord: Getränkemeister geht über die Planke (wird mit verbundenen Augen über die Reling (Geländer) geschmissen). Zum Ausgleich unerwünschter Auftriebskräfte mit einer Kanonenkugel beschwert. Dieses wirksame und traditionsreiche Verfahren der direkten Konsequenz auf unentschuldbares Verhalten (für kalte Krieger: Prinzip der vorbedachten Eskalation) wurde von der amerikanischen Mafia mit dem Gebrauch von Beton und/oder Betonfertigteilen pervertiert. Was kann man von einem Volk erwarten, dass George W. zum Präsidenten wählt? Prost, Angela!

Um 12:00Uhr LOT lässt der Skipper in einer ruhigen Bucht ankern, um der Crew die Einnahme des Mittagessens unter wenigen rauhen Bedingungen zu ermöglichen. Direkt nach Fallen des Ankers und der Überprüfung, ob der Anker auch trägt (hält), ist das Ankerbier fällig. Das Ankerbier wird immer nach erfolgreicher Verankerung des Schiffes am Grund ausgeschenkt. Hier sind einige Feinheiten zu beachten. Ankern heisst, das der Anker das noch schwimmende Schiff am Grund hält. Stinkige Landratten wurden von der Wasserschutzpolizei bereits beim Ankerbier erwischt, als das Schiff nur auf Schiet (Dreck) aufgelaufen war. Tip: Zumindest den Anker nach dem Auflaufen auf Dreck noch aussenbords geben, dann ist das Ankerbier wenigstens nicht völlig illegal. Das ist wie bei Polizisten und Soldaten: Immer zwei Schüsse abgeben. Hinterher kann keiner mehr feststellen, ob der erste Schuss getötet hat und der zweite als Warnschuss in die Luft abgegeben wurde (oder umgekehrt oder so). Findige Skipper lassen alle 30 Minuten einen Schleppanker (irgendetwas, was das Schiff in der Fahrt bremst, z.B. lange Leine, unbequeme stinkige Landratten mit Leine um den Bauch oder Hals etc. und achteraus (über das Heck) ausgebracht wird) ausbringen und dann ein Ankerbier verteilen. Dies ist zwar findig aber entspricht keinesfalls der Tradition.

Der Smut (Koch) bereitet das Essen und die Backschaft (zum Küchendienst eingeteilte Hilfskräfte) decken den Tisch im Salon (Essplatz im Innenbereich des Schiffes). Es gibt Labskaus (Resteessen, sieht aus, wie schon mal gegessen). Zum Labskaus gehören Rollmöpse (aufgerollte saure Heringe) und - da Fisch bekanntlich schwimmen muss - ein Bier. Zur Verdauung und Verteilung des Essens im Magen wird nach dem Essen ein möglichst kalter Aquavit gereicht (Linie (Aquavit, der die Linie (den Äquator) in Fässern überquert hat, um seinen besonderen Geschmack zu bekommen) oder Jubi (der dänische Göttertrunk aus den Aalborger Spritfabrikker)).

Kurz nach dem Anker-Auf-Manöver um 13:30Uhr LOT (inkl. Besan-Schot an) reisst wenige Minuten später die bis dahin geschlossene Wolkendecke auf. Dies ist der Anlass zum Aufreißer. Der Aufreißer ist die traditionsreiche und feuchtfröhliche Begrüßung von wolkenfreien Himmelsstücken. Wahrscheinlich zurückzuführen auf die Zeiten der Wikinger (nordisches Seefahrervolk mit ausgeprägtem hegemonialem Streben, besonderer Trinkfestigkeit und einer starken Aversion gegen Langeweile, personifiziertes Gegenteil von stinkigen Landratten, also wahre Helden), die nur nach den Sternen und der Sonne navigieren (die Richtung bestimmen und trotzdem ankommen) konnten und für die eine geschlossene Wolkendecke wie ein Blindflug ohne Radar (Abk. von Radio Detection and Ranging, elektronischer Voyeurismus zur Beobachtung von Küstenlinien voller stinkiger Landratten) war.

Mehr zum Segeln, der Traditionspflege an Bord und der Aufzucht und Hege von stinkigen Landratten im nächsten Newsletter.

Neulich am Tresen fing doch ernsthaft ein junger Kollege (Frischling, Heuler, Ferkel oder wie das so heisst) über den Klimawandel an zu diskutieren. Und dann kam die Retourkutsche von insgesamt 215 Jahre Beratererfahrung: "Du Döspaddel, rein rechnerisch sind wir alle schon lange tot. Allein die vorhergesagten Folgen der Katastrophen der letzten 20 Jahre – Aids, Waldsterben, BSE, Vogelgrippe, Rauchverbot in Gaststätten – hätten ausreichen sollen, die Menschheit zweimal auszulöschen. Mach' man nicht so ein Faß auf. Nur weil Du beim Lesen inne Zeitung wieder der Panikmache anheimfällst, muß das noch lange nicht so sein. Heul doch! Setz' Dich vor's Alsterhaus und wimmere den designten Besuchern Dein Herzeleid vor. Wir sind bestimmt nicht da, wo wir sind, weil so ein paar Waschlappen, wie Du, jammernd, leidend und durch die Flagellantenpeitsche wimmernd durch die Zeitgeschichte gezogen sind und die Apokalypse verkündeten. Nur weil so ein paar geistige Dünnbrettohrer der Journaille mehr Geld für bad news bekommen, müssen wir doch nicht als Papageien das ideologisch wiederkäuen und fast an dem Gewölle ersticken. Von über 7.800 Foren weltweit, die Beiträge über Siemens und seine Produkte enthalten, beschäftigen sich derzeit nur 20 Foren mit Randale und Hiebe (statt Kabale und Liebe). Millionen von jungen Meinungsführern diskutieren also nicht die Irrtümer, sondern die Ideen von Siemens. Die Endzeitstimmung überlassen sie dem Feuilleton und solchen Endzeit-Jüngern, wie Dir. Also eigentlich ist die Basis für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit Zukunft gegeben. Und dann kommen diese apokalyptischen Flachpfeifen, wie Du, und predigen wieder was von Gürtel enger schnallen, zu regulieren, zu nivellieren, zu akzeptieren, gemeinsam sich zu beschränken und so weiter.... Dann kommen da noch die klerikalen Weltuntergangspropheten aus den institutionalisierten Heuchelscheunen, die von Liebe sabbeln aber nur durch Leiden am Kreuz, durch Ablaßbriefe und Hexenverfolgung die Sünden von ihren Pseudo-zolibatären und geweihten Körpern abwaschen können." Der Frischling heulte jetzt dicke Tränen der Scham auf den Tresen und in sein Glas. "Und jetzt fängste auch noch zu flennen an. Und wenn Du nich' sofort aufhörst den Rum zu wässern, dann holen wir dich Kiel, stinkige Landratte!" Entsetzt starrte der Nachwuchs-Senior-Berater in sein Glas und bemerkte die frevelhafte Tat des Nachwässerns. Trockenes Schluchzen rang sich aus seiner Kehle. Und dann kam es: "Pass mal auf. Du hast ja nicht völlig unrecht. Wir müssen da schon aufpassen mit'm Klima und so. Das geht natürlich nicht immer so weiter, auch wenn wir wahrscheinlich den Club of Rome noch in hundert Jahren als aktuell preisen werden. Wir können Dir einen Weg aus dem Dilemma aufzeigen, der an Nachhaltigkeit die aus dem Jammern geborenen Maßnahmen der publikumsabhängigen Politiker noch übertrifft." Der Jüngling richtete seinen gebeugten Rücken langsam auf, Hoffnung und verzagte Sehnsucht spiegelten sich in seinen Gesichtszügen wieder. Die abwärts gerichteten Mundwinkel kamen in die Horizontale und zuckten sogar verstohlen leicht glücklich nach oben. Wartend und auf Erösung hoffend hing er gebannt an den 215 Jahre alten Beraterlippen. Unisono erscholl es über den Tresen an der Bar: "Prost". Stille. ... .... Stille. .... .... Noch mehr Stille. ... ... Der düstere Schein der Erkenntnis zieht über das Gesicht des Frischlings. Die Erleuchtung der Wahrhaftigkeit und des Inhalts dieser Lösung aller Probleme trifft ihn wie ein Thor'scher Hammerschlag. Er bricht zusammen, bar jeder Hoffnung und erschüttert in den Grundfesten. Zwanzig Minuten später bekommt er eine neue Jacke und wird von freundlichen Schränken in weiss aus der Bar geführt.

Kommentare der Tresenbesatzung: "Die können ja auch nix mehr ab". "Das ist man gut so, die verderben eh nur die Beraterpreise". "Das ham wir gerne, jammern, aber die Wahrheit nicht verkraften." Die Trinksprüche der Tresenwikinger an diesem Abend waren verändert. "Weltfrieden, Prost!". "Klimaschutz, Prost!". "Currywurst, Prost!"

Häuptling, Wikinger-Gefolgsleute und auf Beutezügen erraubte Sklaven verbrachten einen netten Abend und liessen in unserer kleinen Walhalla die wikingerischen Gesänge erklingen.

Dies mag als Warnung an die Pseudo-Seniorberater mit sechsmonatiger Berufserfahrung gelten. Wir haben es nicht nötig, uns mit diesen Pseudo-Intellektuellen abzugeben, die, um ein paar Tagessätze zu verkaufen, in allem ein großes Desaster sehen und erst einmal jammern. Klar sehen auch wir häufig einen großen Haufen, der nicht nur so aussieht, sondern auch so riecht. Aber wir müssen uns nicht weinend danebensetzen, wir ziehen an der Spülung. Wir sind zwar ebenfalls käuflich, gehen bei unsere Kunden auch anschaffen und werden dafür nach Stunden bezahlt, aber die intellektuellen Waschlappen toppen das. Wenn wir mal soweit sinken werden, dann möge Thor uns mit seinem Hammer zerquetschen. Zwischenzeitlich kann er sich ja an den Hundertschaften der Jammerlappen gütlich tun. Wir trinken derweil Rum.

Wie so häufig, klang auch dieser Tresenabend damit aus, dass die Tresenmannschaft die paar Meter bis anne Elbe runterwanderte. Ein kleines Flens inne Hand, ein wahrhaft munteres Wikinger-Liedchen über Thor, Odin und Walhalla auf den Lippen. Dann, genau dann, wenn der Schritt am Ufer der Elbe verharrt, der Oberkörper sich lässig auf das Geländer stützt, das vertraute Plopp des Flensburger Heldengebräus erklingt, ja, dann ist es wieder da, das Gefühl, dass alles gut ist. UNS KRIEGEN DIE NICHT.

Soviel vom Team der allerbesten Tresenschlampen aus St. Pauli. Es tut uns nichts leid. Gar nichts. Niemals. Wir pfeifen immer noch auf die Probleme der Welt, wie Weltfrieden, Klimawandel, steigende Prozessorleistung und Microsoft Mista. Bei uns ist wahrer Frieden am Tresen, St. Pauli ist endlich zweitklassig, das Klima ist angenehm, die Zapfgeschwindigkeit braucht kein Tempolimit und unsere Aschenbecher werden hier noch stehen, wenn die Asche der Pseudo-Gesundheitsapostel bereits in alle Winde verstreut wurde.

Wir arbeiten mittenmang in Hamburg St. Pauli, direkt anne Elbe und am Pinnasberg, ein paar Hundert Meter von Reeperbahn, Kleine und Große Freiheit, Pinnasberg, Silbersack-, David- und Herbertstraße entfernt. Und allen Glücklichen hinter und vor dem Tresen geht dieses angenehme Selbstverständnis süffig wie ein echter Pusser's Painkiller locker, lasziv und langsam die Kehle runter. Begrabt unsere Herzen an der Biegung der Theke. Und nebenbei: WIR werden nicht wiedergeboren, weil, wir hatten hier schon alles, was man haben kann: Uns.

In diesem Sinne, das war's erstmal aus dem BONOBO'S. Das nächste Thekengespräch ist am 6. September 2007. Immer die bekannte eine Fingerbreit Wasser unterm Kiel und eine großzügige Handbreit Jack Daniel's im Glas wünscht das Tresenschlampen-Team vom BONOBO'S.

Und ansonsten:

BONOBO'S Termine:

Sommer 2007: Ostsee
06.09.07: 47. Telekommunikations-Thekengespräch
In 2008: 3. CeBIT Hausmesse im Lieb ich 5, Liebigstr.5 in Hannover, nur für geladene Gäste

MERKET AUF: Das BONOBO'S ist nur nach Vereinbarung und zu besonderen Anlässen geöffnet. Und was besondere Anlässe sind, das entscheiden wir. Mehr Info unter http://www.bonobos.info in der Rubrik "Öffnungszeiten".
Für gute Bekannte öffnen wir immer gerne. Kurzer Anruf genügt.

Gruß vom Fischmarkt und vom Ostseestrand im Sonnenschein / Regen / Sonnenschein / Regen usw...

Für das Team vom BONOBO'S.

Dirk Noellen