BONOBO'S Newsletter 33


Moin -
Es ist wieder Zeit. Der letzte Newsletter war vom 25.05.2006... Ist lange her. Aber wir hatten keine Zeit. Wir waren am Strand. Und eigentlich würden wir da jetzt auch gerne wieder hin.
!!! Hinweis: Das nächste Telekommunikations-Thekengespräch findet am Donnerstag, den 07.09.06, also in ca. 40 Stunden, statt!!!

BONOBO'S News:

Donnerstag, 01.06.06, 39. Telekommunikations-Thekengespräch
Eine ruhige Veranstaltung. Selbstverständlich mussten die frisch aus Flensburg importierten Rum-Köstlichkeiten probiert werden. Nach einem erfolgreichen und mehrfach verifizierten Nosing und Tasting wollten die roten Nasen gar nicht wieder verschwinden. Einige wikingerische Sagen und Moritaten würzten die Stimmung und im kleinen Kreise blieb kein Glas und kein Auge trocken.

Für BONOBO'S-Insider: Tanya: 3, Tyra: 4, Helen: 6, Alysha 6, Eva: 1. Keine Änderung. Verdammt noch mal.

Sonntag, 18.06.06, BONOBO'S goes Harry Rowohlt
Eine kleine Kerntruppe des Tresenteams bewegte sich zum Steindamm in St. Georg. Das Polittbüro von Lisa Politt besuchen. Dort hielt ein Mann eine Lesung, der unserem Herzen eng verbunden ist. Schließlich ist er der Penner aus der Lindenstrasse, Deutschlands bester Übersetzer irischer Literatur, der Übersetzer von Winnie Puh, Ehrenmitglied des Irischen Whisky-Verbandes, Träger der goldenen Ehrennadel unseres FC St. Pauli und bekennender Hamburger: Harry Rowohlt. Wer noch nie eine seine Lesungen verfolgt hat, der weiss nicht, was die deutsche Sprache alles kann. Der Meister der Abschweifung (23 verschachtelte Geschichten, die logisch bei der Ursprungsgeschichte wieder landen...) trank, rauchte, sang und fabulierte so vor sich hin. Und wir waren nach dreieinhalb Stunden platt und zufrieden. Und alle Lachtränensäcke waren zur Wüste Gobi geworden.

Donnerstag 29.06.06, und Freitag, 30.06.06, BONOBO'S goes ITIL
Das BONOBO'S wurde als Seminarraum gebraucht. Für den harten Kern der Solutions Factory und einige Gäste zelebrierten wir die Höhen und Tiefen des System Management nach britischen Grundsätzen. Wir hatten zur ITIL-Schulung gerufen und da kamen sie aus ihren Löchern. Sollte doch dem zweitägigen Seminar die Zertifizierung durch den TÜV folgen. Heute eine unabdingbare Anforderung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und somit Pflichtkurs für gute und vor allen Dingen teure Berater. Und wir bestanden alle, obwohl der eine oder andere knapp an der Katastrophe vorbeischrammte. Ab jetzt sind also alle Tresenschlampen ITIL-zertifiziert. Das hat bestimmt keine andere Kneipe und Bar in unserer jetzt-schon-kaum-noch flaggenverhangenen Republik. Naja. Eigentlich braucht das ja auch keine andere Kneipe. Wer bestellt schon seinen Wunsch-Cocktail mit einem Change Request und macht sofort, wenn denn das Glas leer ist, einen System Incident auf. Aber wir werden mal an einem philosophischen Abend darüber philosophieren, wie denn ITIL philosophisch in der Bar funktionieren könnte.

Mittwoch, 19.07.06, BONOBO'S goes Billy Idol
Es lebt. Die Schieflippe der 80er Jahre hat doch wirklich überlebt. Leicht zerknautscht im Gesicht aber noch genauso stimmig und knuffig wie früher. Nach 15 Minuten stellten wir fest, welch ein armer kleiner Schuljunge doch dieser Robbie Williams ist. Auf einmal kam Wind auf im Stadtpark in Hamburg-Barmbek. Ein kräftiger Wind. Verwundert schauten sich die männlichen Mitglieder unseres Teams um. Kein Wölkchen am Himmel, kein Blatt der Bäume wiegte sich sanft sirrend in der Sonne. Aber tausend Frauen zogen so schnell die Luft ein, dass ein kleiner Tornado entstand. Billy - the living willy - Idol zog sich genüßlich sein Oberhemd aus. Respekt und Hut ab vor einem Mann über 40 (fast 50), der einen solchen Oberkörper vorweisen kann. Glitzernde und sehnsüchtige weibliche Augen um uns herum. Vibrierende Luft von den gutturalen Lauten der Was-für-ein-Mann-und-hab-ich-weiche-Knie-Damen in unserer unmittelbaren Nähe. Wenn Billy dann noch an die Zuschauerabsperrung trat, ja dann brach es aus dem femininen Teil des Publikums wie Brunftschreie heraus: BILLY!!! BILLY!!!.

Einer unserer Nachbarn grinste verschmitzt und rief laut: HIER IST BILLY!!! und hielt ein Päckchen dieser Ich-koste-jetzt-1-Euro-Kondome-namens-Billy-mit-gefühlsechtem-Kirschgeschmacksreservoir in die Luft. Die wutentbrannte Stampede des enttäuschten modernen Frauen-Mobs machte vom Erbrecht der Lynchjustiz ausgiebigen Gebrauch.

Wir hatten in ganz kurzer Zeit in der glühenden Hitze das zweite Bier bereits mehrfach getrunken und erfreuten uns des musikalischen Genusses (trotz Brunftschreie) und der hochperformanten Perfomance dieses Ausnahmekünstlers mit dem knackigen Hintern (BILLY!!!!) und seiner exquisiten Musiker. Zudem hatten wir auch bald mehr Platz, als die erste Garde des hysterischen, brünftigen und völlig verausgabten zarten Geschlechts in den speziellen Großraum-Taxis zum nächsten Treffen der selbständigen Unternehmerinnen in Hamburg abtransportiert wurde.

Gemütlich nuckelten wir am Bier, lauschten entspannt der schönen Musik und freuten uns des Lebens. Zeitweise nur aufgeschreckt durch die bereits detailliert beschriebenen gutturalen Urlaute am Ohr. BILLY!!! Unseren Feund mit den schwarzen kleinen Kirsch-Dingern haben wir übrigens nicht wiedergesehen. Nur eine kleine, einsame, zerknitterte und leere Verpackung erinnerte an seine Heldentat. Wir nehmen an, er wurde vor lauter unausgelebten weiblichen Phantasien, die sich in dem Moment seines vermeintlichen Fauxpas zielsuchend und -findend auf ihn entluden, buchstäblich in der Luft zerrissen. Als dann Billy noch Thunderstruck von AC/DC spielte, beteten wir still für die vom Donnerschlag getroffene arme Seele unseres Nachbarns, der sich in Walhalla nun den Beinamen "Der mit dem richtigen Spruch am falschen Platz" geben darf. Alles in allem ein sehr gelungener und ausgeglichener Abend.

Sonntag, 13.08.06, BONOBO'S goes Martha Graham Dance Company
Jaja. Staatsoper. Ballett-Aufführung. Wir. Erste Reihe, wo sonst? Ein schönes Erlebnis. Hat sich gelohnt. Irgendwo aus dem Zuschauerraum rief es: BILLY!. Kein Wunder. Immerhin waren da wieder halbnackte und tanzende Männer mit definiertem Bauch. Den haben wir zwar alle auch, aber eher konvex denn konkav. Abgerundet wurde der späte Nachmittag mit einem netten Festmahl in der Döner-Bude an der Staatsoper.

AUS DEM LEBEN:

Und Lanu schreitet munter fürbaß mit ihren exitorientierten Unternehmensmeldungen. Für alle die das und noch viel mehr wissen wollen: Lanu und ihre Sentinels rocken auf: http://www.boocompany.com. Den Newsletter gibt's ja nun leider nicht mehr, also bitte wöchentlich selber klicken...

Noch einmal was von der Fußball-WM. Wie? Ist ja schon eine Ewigkeit her? Quatsch. Man gerade etwas über 8 Wochen. Wir erinnern uns: Flaggenmeer und Fußball. Rund um den Fischmarkt. Viele Balkone flaggenverhangen. Apropos flaggenverhangen. In Amerika, da wo Kinder mit Fähnchen und Wimpel geboren zu werden scheinen, gibt es so kräftige Sprüche wie "Es genügt nicht eine Fahne zu haben, es muss auch Männer geben, die bereit sind sie zu tragen." Jawoll, Hacken zusammen, Admiral von Schneider und Mr. Winterbottom. Und am Tresen waren sich alle Mannsbilder (BILLY!!!) zum Thema "flaggenverhangen" einig: Es ist viel schöner, wenn fusselige Flaggen feminine Frauen fein schmücken, die sich im Rahmen einer Weltmeisterschaft ein Mini-Röckchen oder ein Top aus Schwarz-Rot-Gold basteln, wahrscheinlich aber die teutsche Nationalhymne immer noch anfangen mit "Freude schnöder Götterfunken, Töchter im Delirium" oder so.

Und nach der Weltmeisterschaft wird dann wieder bei der wöchentlichen Sportschau schmachtend geschmollt. Also alles nur eine Farce. Brot und Spiele. Aber klasse, wir waren immerhin im Halbfinale. Vorher hätten wir doch nicht einmal geglaubt, dass die Jungs den Weg ins Stadion finden... Damit sei es bewiesen: Darum die vielen Flaggen, damit die Jungs wußten, wo sie hinfahren mußten. Aber sie waren da. Flaggen hin oder her.

Am 07.06. erreichte das Tresenteam eine Pressemeldung der R+V-Versicherung: "die Ängste der Kinder in Deutschland sind auf einem Rekordtief angelangt. Nur noch 40 Prozent der 6- bis 14-Jährigen haben große Angst vor der Zukunft. Vor rund zehn Jahren waren es noch 56 Prozent." Am Tresen verlesen, in der Bar beraten und in die zweihenkelige Rundablage entsorgt.

Die Begründung lautete: "Die Jugendlichen und Kinder seien aufgrund der Fülle negativer Nachrichten dazu übergegangen, diese zu verdrängen." Welch' grandioser und famoser Erfolg! Jetzt freuen sich bestimmt die Quotenpolitiker im Bundestag. Können sie doch jetzt ungehemmt weitermachen, ja müssten eigentlich noch zulegen, dann hätten bald keine Jugendlichen mehr Angst vor der Zukunft. Keinen Ausbildungsplatz? Gelächter. Pisa? Schmunzeln. Arbeitslos? Was soll's. Rente? Mir doch egal. Solidargemeinschaft? Kann man dann Alkopops (natürlich mit Pfand) kaufen?

Dieses Szenario frischte alte Erinnerungen wieder auf: Brave New World von Aldous Huxley, Der goldene Reiter von Joachim Witt, The Wall von Pink Floyd, Dadada von Trio, Clockwork Orange von Stanley Kubrick, Hohe Berge von Frl. Menke, Brazil von Terry Gilliam und: Helmut Schmidt mit seiner Antwort auf eine Zuhörerfrage einer jungen Dame vor den Studenten der HSU (Helmut-Schmidt-Universität-der-Bundeswehr): "Wieso fragen Sie mich nach Hoffnung für die Zukunft? Ich bin kein Priester. Für Hoffnung sind die zuständig. Ich sage Ihnen wie es ist und wohl werden wird." Ein mannigfach geschmettertes: No future! No hope! No pope! Prost! Und nicht zu vergessen: BILLY!!!!

Und wir rührten rührselig rezitierend im rauchigen Rum rum.

Wie so häufig, klang auch dieser Tresenabend damit aus, dass die Tresenmannschaft die paar Meter bis anne Elbe runterwanderte. Ein kleines Flens inne Hand und ein gar munter Wikinger-Liedchen über Thor und Odin (White wedding oder so) auf den Lippen. Dann, genau dann, wenn der Schritt verharrt, der Oberkörper sich lässig lächelnd auf das Geländer stützt, das freundliche Plopp des Flensburger Heldengebräus erklingt, ja, dann ist es wieder da, das Gefühl, dass alles gut ist. UNS KRIEGEN DIE NICHT.

Soviel vom Team der besten Tresenschlampen der bewohnten und unbewohnten Galaxien. Es tut uns nichts leid. Gar nichts. Niemals. Wir pfeifen immer noch auf die Probleme der Welt, wie Weltfrieden, Klimawandel, steigende Prozessorleistung und von der Bild-Zeitung angeprangerte hochschwangere 40-jährige Talkmasterinnen. Bei uns ist Frieden am Tresen, das Klima ist angenehm, die Zapfgeschwindigkeit ist völlig ausreichend und unsere Meinung zu über 40-jährigen Frauen ist eindeutig: Es gibt keine besseren. Ausser sie waren auf dem Billy Idol Konzert. BILLY!!! (Unbestätigten Gerüchten zufolge suchen heute immer noch kleine versprengte Gruppen wildernder Frauen im Dschungel des Stadtparks nach dem Tourbus von BILLY!)

Wir arbeiten mittenmang in Hamburg St. Pauli, direkt anne Elbe und am Pinnasberg, ein paar Hundert Meter von Reeperbahn, Kleine und Große Freiheit, David- und Herbertstraße entfernt. Und allen Glücklichen hinter und vor dem Tresen geht dieses angenehme Selbstverständnis süffig wie ein echter Pusser's Rum würzig und weich, lasziv und langsam die Kehle runter. Begrabt unsere Herzen an der Biegung der Theke. Und nebenbei: Wir werden nicht wiedergeboren, nicht einmal als BILLY!!!, weil, wir hatten hier schon alles, was man haben kann: Uns.

In diesem Sinne, das war's erstmal aus dem BONOBO'S. Am Donnerstag ist wieder Thekengespräch. Immer die bekannte eine Fingerbreit Wasser unterm Kiel und eine großzügige Handbreit Jack Daniel's im Glas wünscht das ITIL-zertifizierte ("Na, welchen Change Request hätten Sie denn gern...?") Tresenschlampen-Team vom BONOBO'S.

Und ansonsten:

BONOBO'S Termine:

Do, 07.09.06, ab 17:30 Uhr, 40. TK-Thekengespräch: (http://www.bonobos.info/tknews_40.html)
Do, 05.10.06, ab 17:30 Uhr, 41. TK-Thekengespräch: (http://www.bonobos.info/tknews_41.html)
Mo, 19.03.07, ab 17:00 Uhr, 2. CeBIT Hausmesse im Lieb ich 5, Liebigstr.5 in Hannover

ERWACHET, KNIET NIEDER, PREISET UND MERKET AUF: Das BONOBO'S ist nur nach Vereinbarung und zu besonderen Anlässen geöffnet. Und was besondere Anlässe sind, das entscheiden wir. Mehr Info unter: http://www.bonobos.info in der Rubrik "Öffnungszeiten".
Für gute Bekannte öffnen wir weiterhin immer gerne. Kurzer Anruf genügt.

Gruß vom Fischmarkt im endlich wieder wolkengetrübten Sonnenschein und bei hervorragender Laune. BILLY! BILLY!

Für das Team vom BONOBO'S. (Und für BILLY!)

Dirk Noellen