BONOBO'S Newsletter 29
Moin -
Es ist wieder Zeit. Der letzte Newsletter war vom 31.08.2005. Das ist verdammt lang her. Wer jetzt eine Entschuldigung erwartet: Nö. Gibt's nicht.
!!! Hinweis: Das nächste Telekommunikations-Thekengespräch findet am Donnerstag, den 02.03.06, statt !!!
BONOBO'S News:
Es gibt derzeit keine BONOBO'S News. Das letzte Jahr ist vorbei und das war's. Wir sammeln jetzt wieder Neues.
Nur zu Dokumentationszwecken: Für BONOBO'S-Insider: Tanya: 3, Tyra: 4, Helen: 6, Alysha 6, Eva: 1. Wie gut, dass man über Geschmack und Prioritäten so herrlich streiten kann.
AUS DEM LEBEN:
Lanu lebt! Und jetzt ist es noch spannender geworden. Die Webseite, die von den Hypies (New Economy Version der Pseudo-Hippies) mit Angst und Schrecken gelesen wird und die uns am Tresen immer wieder beflügelt, ist wieder online. Der Name hat sich geändert. Nicht mehr dotcomtod.com sondern http://www.boocompany.com Für alle Unwissenden: Lanu ist die mit dem besten Kommentar zum Service der DTAG (T-Com): "... Service, so angenehm wie eine Darmspiegelung und so schmerzfrei wie ein Frontalzusammenstoss." Sowas verstehen sogar wir hier am Tresen. Von hinter'm und vor'm Tresen am Hamburger Fischmarkt wünschen wir Lanu und den Sentinels immer eine Fingerbreite Wasser unterm Kiel und eine Handbreite Jack Daniel's im Glas.
Als wir letzte Woche wieder am Tresen parlierten, kam doch einer von unseren besten Kunden in die Bar und wurde von allen angestarrt. Er war bekleidet mit einem Turban und einem weissen Umhang. Auf der Wange prangte der gemalte Danebrog (für alle PISA-Geschädigten... und da Pisa in Südbayern liegt... für alle Süddeutschen...: das ist die dänische Nationalflagge) und er sprach ständig vor sich hin: "Mohammed ist ein alter Jude". Wir waren schlicht baff. Eine Handbreit Jack Daniel's später trauten wir uns ihn zu fragen, was das denn jetzt soll. Knappe und klare Antwort: ... "Hanseatisches Selbstmordattentat".... Sprach's und legte sein Gewand ab. Darunter das altbekannte Heavy-Metal-T-Shirt mit dem Aufdruck "Satan is a Poser". Röhrendes Männergelächter und leicht hanseatisches Frauenkichern. Eine Runde Saurer auf Kosten des Hauses.
Und nach Missbrauch zweier Gläser der BONOBO'S Spezialität "Aral Super" erzählte er, dass er durch die Berichterstattung über den Angriff von Demonstranten auf die deutsche Vertretung in Gaza angeregt worden sei. Demonstranten waren auf das Kulturzentrum eingestürmt und hatten das Gebäude mit Steinen beworfen, Mobiliar des Büros verwüstet und die deutsche Flagge in Brand gesetzt. Alles wegen der Mohammed-Karikaturen.
Jetzt kam Schwung in die Unterhaltung am Tresen. Die Meinungen flogen nur so im Tiefflug über den Astra-Zapfhahn. Quintessenz: Wenn da ein paar Dänen eine schlechte Karikatur von Bruder Mohammed bringen und sich hunderttausende Moslems deswegen aufregen, dann haben die anscheinend sonst nichts zu tun. Wenn dann aber die altlinken Gutmenschen mit taz-Abo wieder unheimlich betroffen und verständnisvoll sind ("Jutta, diese armen Moslems, hast Du das gehört? Übrigens, hast Du meine Jesuslatschen gesehen, die mit den von geknechteten Kindern in Guatemala geflochtenen Strohsohlen und dem Lederriemchen aus ökologisch einwandfreiem Kroko-Leder?"), dann kocht die gemeine Seele am Tresen über. Die Sesamstraßen-Mengenlehre-Intellektuellen hätten überhaupt nicht begriffen, dass sie nur deshalb so sein dürfen, weil in diesem Land Meinungs- und Pressefreiheit herrscht. Offensichtlich stark überarbeitungsbedürftige Grundrechte.
Die Stimmung am Tresen war stark geladen und die Luft vom süssen Duft der Drinks schwer schwanger. Rufe nach Boykott aller Produkte aus Ländern, in denen Demonstrationen stattgefunden haben, wurden laut. Als aber die deutsche Döner-Produktion als Hauptzielpunkt des Boykotts identifiziert wurde, hüpften die ersten Boykotteure wieder zurück in die warme Badewanne und sangen lieber im Chor Kinderlieder. Natürlich Falsett. No balls - no bass. Dann kamen diejenigen, die schon immer die harte Linie wollten, von sofortigem Durchgreifen faselten und sich sofort auf den Weg machen wollten, um den Muselmanen mal zu zeigen, was eine Harke ist. Und dann auf die Uhr sahen und zu Bedenken gaben, wie spät es sei, dass Ihre geliebte und zarte Frau auf sie warten würde und Ärger das Letzte wär, was man brauchen würde. Ebenfalls ab in die Badewanne. Singen. Falsett.
Blieben drei Unverzagte über, die ernsthaft nach einer Lösung dieses tiefen interkulturellen Problems der Völkerverständigung suchten. Wir fanden die Lösung, als wir gemeinsam im Bodensatz der Jack Daniel's Flasche lasen: An dänischen Schulen sollte mehr Zeichenunterricht gegeben werden, damit die Karikaturen besser werden, den Moslems schicken wir so viele Fahnen, dass jeder eine verbrennen kann, und die no-balls-no-bass-Falsett-Sänger werfen wir aus der Badewanne und Eiswürfel hinein, um schon einmal mit dem Bierkühlen für die Siegesfeier des FC St. Pauli über den FC Bayern München im DFB-Halbfinale am 11.04. anzufangen. First things first.
Beim letzten TK-Thekengespräch im Februar wurden wieder die Telekommunikations-Schwindel-Aufklärungs-Bierdeckel gequält. Thema: Der dreijährige Investitionsschutz für die DTAG beim Ausbau der Breitbandanschlüsse in Deutschland mit V-DSL. Gemäß dem Geschäftsbericht der DTAG vom 30.09.05 hatte die DTAG 7,3 Millionen Breitbandanschlüsse für DSL in Betrieb. Davon 1,1 Millionen für Resale, sprich für alternative Carrier (also die Guten)... Das entspricht ca. 15% der Breitbandanschlüsse. Es wird deutlich: Die DTAG steht knapp vor der Pleite in diesem Geschäft. 85% Marktanteil ist definitiv existenzgefährdend. Allerdings wollen wir nicht verschweigen, dass der Marktanteil der Guten im Vorjahr noch bei 2% lag (0,1 Mio Anschlüsse zu 5,2 Mio der DTAG). Am Rande: ca. 40% dieser Leitungen werden von HanseNet (Alice) bezogen!!! Prost auf unsere treuen Besucher von HanseNet. Weiter so! Ein Tiger Beer steht immer für diese DSL-Underdogs bereit.
Und worum geht es nun überhaupt? Die Telekom will ihre KVz (Kabelverzeiger, diese grauen Kästen in den Straßen) mit Glasfaser anschliessen und dort einen DSL-Access Multiplexer installieren. Damit verkürzt sich der Kupferweg zum Endverbraucher und 50Mbit/s Download-Geschwindigkeiten werden möglich. 50 Städte in Ballungsräumen sollen mit 3,0 Milliarden Euro aufgerüstet werden. Drei Jahre will die DTAG diese Möglichkeiten alleine nutzen. Gemurmel am Tresen: Also alleine absahnen. Und schon werden Rufe nach Sahne-Cocktails laut. Einfache Seelen wie wir haben einfache Wünsche.
Und dann die berühmt-berüchtigte und branchenweit gefürchtete Bierdeckelrechnung: Deutschland hat 40 Mio Haushalte. Davon sind etwa 30% in den 50 Städten, d.h. ca. 12 Millionen Haushalte sind betroffen. Heute hat die DTAG etwa 20% der Haushalte angeschlossen, d.h. in diesen Ballungsräumen sind es ca. 2,4 Millionen. Wenn alle Kosten nur auf diese bestehenden Anschlüsse umgelegt werden würden, dann wäre zu rechnen: 3,0 Milliarden Euro aufgeteilt auf 2,4 Mio Kunden entspricht 1.250,- Euro pro Kunde Investition. Über 7 Jahre linear abgeschrieben bedeutet das 180,- Euro/Jahr/Kunde. Monatlich ca. 15 Euro pro Kunde. Eine Zusatzgebühr von 19,90 Euro pro Monat pro heute schon bestehendem Kunden würde das ganze Netz in 7 Jahren bezahlen. Gar nicht auszumalen, wenn, wie prognostiziert, die Kundenzahlen bis auf 40% - 50% der Haushalte steigen. Nebenbei: Der EBIT, grob gesagt der Gewinn vor Steuern, dieses Geschäftsbereiches der DTAG beträgt jährlich ca. 6,0 Milliarden Euro. Was doch so alles auf ein paar Bierdeckel passt. Neben die Sahnedrinks.
Und die logische Schlussfolgerung: Wenn wir das nächste Mal einen neuen Cocktail erfinden, dann verlangen wir eine Gesetzesänderung, damit zwar alle Hamburger diesen Cocktail trinken, ihn aber drei Jahre lang nur bei uns kaufen können. Und dann kostet der 30,- Euro pro Glas. So funktioniert das. Und Deutschland bleibt weiter innovationsgehemmt und im schlappen Mittelfeld in Europa (hinter Estland..., wie bei der Anzahl der DSL-Anschlüsse pro 100 Haushalte).
Aber wer jetzt denkt, dass sich da tiefe Depression am Tresen eingeschlichen hat, der täuscht sich gewaltig. Dagegen haben wir unseren Cocktail "Aral Super". Der heisst so, wie er aussieht... In den 80ern war Aral Super, der Kraftstoff von Aral, leicht blau-/grünlich eingefärbt. Unser Cocktail setzt sich zusammen aus: 4 cl Wodka Smirnoff, 4 cl Bacardi white, 4 cl Gordon's Extra Dry Gin, 2 cl Bols Blue Curacao und einem kräftigem Schuß Bitter Lemon. Zitronenscheibchen und Schirmchen oder Püschelchen dazu. Fertig. Das Faszinierende dieses Drinks ist: Man schmeckt den Alkohol nicht heraus. 5 - 6 Gläser dieses Mördergetränks entsprechen allerdings fast einer ganzen 0,7l Flasche Schnaps. Aber für Jungs von der Waterkant... Eine Buddel Rum haut noch keinen Seeman um... (...wer errät woher dieses Zitat stammt, der erhält ein Gratis-Bier beim nächsten Thekengespräch...).
Die Geschichte des Cocktails ist simpel: Drei Marineoffiziere fuhren als Gäste mit der Fähre Hamburg-Harwich nach London. Aufgrund knapper Kasse kam man mit dem Barkeeper der teuren Schiffs-Cocktail-Bar (so von Kamerad zu Kamerad) überein: Jeder Drink im 0,3l-Glas kostet "flat-rate" 10,- DM (viel Geld für arme Seemänner). Und da wir auf virtuelle Designer-Cocktails verzichten konnten, sagten wir dem Barkeeper, was wir haben wollten. Und er machte das. Und das war einfach super. Aral Super.
Nun ist aus diesem Newsletter doch wieder ein problemwälzender, politisch inkorrekter und moralisch fingerhebender Newsletter mit Cocktailrezept geworden. Das tut uns aber nicht leid. Nicht ein bißchen. Musste mal gesagt werden. Einen hatten wir am Tresen aber noch: Iron-Lady-Angela und Proleten-Münte können aufatmen. Am Tresen des BONOBO'S wurde von allen Road-Warriors und normal-Sterblichen einstimmig im Bass-Chor (kein Falsett) beschlossen: "Nie wieder Vollbeschäftigung! Wir haben Besseres zu tun."
Was schert uns hier in der Bar das Leben draußen vor der Tür. Wir haben unsere kleine Insel der Glückseligkeit gefunden. Wir arbeiten mittenmang in Hamburg St. Pauli, direkt anne Elbe, ein paar Hundert Meter von Reeperbahn, David- und Herbertstraße entfernt. Und allen Glücklichen hinter und vor dem Tresen geht dieses leicht arrogante aber angenehme Selbstverständnis wie ein torfiger schottischer Single-Malt Whisky mit einem Dash Highland-Spring-Water weich und langsam die Kehle runter.
In diesem Sinne, das war's erstmal aus dem BONOBO'S. Bald ist wieder Thekengespräch. Immer eine Fingerbreit Wasser unterm Kiel und eine Handbreit Jack Daniel's im Glas wünscht das Tresenteam vom BONOBO'S.
Und ansonsten:
BONOBO'S Termine:
Do, 02.03.06, ab 17:30 Uhr, 36. TK-Thekengespräch: (http://www.bonobos.info/tknews_36.html)
Do, 06.04.06, ab 17:30 Uhr, 37. TK-Thekengespräch: (http://www.bonobos.info/tknews_37.html)
Do, 04.05.06, ab 17:30 Uhr, 38. TK-Thekengespräch: (http://www.bonobos.info/tknews_38.html)
Das BONOBO'S ist nur nach Vereinbarung und zu besonderen Anlässen geöffnet.
Mehr Info dazu unter: http://www.bonobos.info in der Rubrik "Öffnungszeiten".
Für gute Bekannte öffnen wir weiterhin immer gerne. Kurzer Anruf genügt.
Gruß vom Fischmarkt im Winter bei Sonnenschein, Regen, Sturm und guter Laune. Wie schon Loddo singt: "... kannst Du den Himmel über Hamburg sehn?". Jo min Jung, wir hier "unten am Hafen" können das.
für das Team vom BONOBO'S
Dirk Noellen