BONOBO'S Newsletter 21


Moin -
Es ist wieder Zeit. Der letzte Newsletter war vom 30.08.04.
!!!Hinweis: Das nächste Telekommunikations-Thekengespräch findet am kommenden Donnerstag, den 07.10.04, statt!!!

Für Geschichte-Süchtige: Ja, das ist er, der Feiertag, der nicht mehr begangen wird: Der 55.ste Tag der Republik. Nein, wir haben uns nicht vertan mit dem 3. Oktober oder so.
Vor genau 55 Jahren wurde die DDR gegründet. Wir haben dafür etwas geplant:
Wer nachweislich in der DDR aufgewachsen ist, zum Empfängerkreis dieses Newsletters gehört und uns an diesem Abend aufsucht, bekommt ein Freibier, vielleicht auch zwei... Mit dem Bier stossen wir dann auf Erich an. Let's all drink to the death of a clown... Die Konservierten (über 40 - unter 100 Jahre alt) unter uns werden sich an dieses Lied erinnern.

BONOBO'S News:

Donnerstag, 02.09.04: 20. TK-Thekengespäch
Unsere Gäste kamen aus allen möglichen Ecken in Deutschland.
Für BONOBO'S-Insider: Tanya: 3, Tyra: 3, Helen: 5, Alysha 5, Eva: 1, also wieder keine Veränderung.

Diesmal hatten wir uns etwas ganz Besonderes ausgedacht: Auf zwei Schwimmpontons wurden Szenen aus dem späten Mittelalter von ca. 100 kostümierten Akteuren vorgeführt. Dazu erklang klassische Musik über den Hafen. Zwei illuminierte Schwimmkräne führten ein Wasserballett auf und es folgte das Feuerwerk mit vielen Ohs und Ahs. Die Gäste des BONOBO'S standen an der Waterkant vor der Bar und hätten vergnügt in die Hände geklatscht, wenn da nicht das Astra in der Rechten und die Zigarette in der Linken gewesen wäre. Den überschwenglichen Dank unserer Gäste konnten wir nur zu gerne an die zwei Hundertschaften Polizei weitergeben, die das Fussvolk vom Betreten der Bar abhalten sollte... Oder so ähnlich.

Auflösung: Am Abend des Thekengesprächs fand in der gegenüberliegenden Fischauktionshalle eine Sponsoring-Party zum Sammeln von Geld für die Erneuerung der Hamburger Prachtstraße Jungfernstieg (nicht ganz "Unter den Linden", eher "Neben den Algen") statt.

AUS DEM LEBEN:

Was wir in den Tiefen unserer Bibliothek entdeckt haben, als wir nach weiteren Ideen zur Steuersenkung suchten:
"Lobend gleichzustellen ist diese Steuerreform allen Steuerreformen, die es jemals gab oder die je kommen werden. Sie ist modern, gerecht, entlastend und kunstvoll. - Modern, weil jede der alten Steuern einen neuen Namen trägt. - Gerecht, weil sie alle Bürger gleich benachteiligt. - Entlastend, weil sie keinem Steuerzahler mehr einen vollen Beutel läßt. - Und kunstvoll, weil Du in langen Worten ihren kurzen Sinn versteckst: dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und dem Bürger zu nehmen, was des Bürgers ist." Und wieder ist es nicht die halbstarke Opposition sondern ein betagter Etablierter, der das sagte: Casparius, ein römischer Senator.

Kennt jemand die Zeitung, die in der Samstags-Ausgabe u.a. folgende Titel auf der ersten Seite hatte: "Wie Arnold Schwarzenegger Kalifornien aufmöbelt", "Das Streiflicht", "Blair holt Weggefährten Alan Milburn ins Kabinett", "Gewähr fürs Gewehr", "Goldene Hochzeit in Bruneii", "Ivan verwüstet Karibikinsel Grenada", "Terror-Anschlag in Jakarta", "Das Wetter".

Falsch, es ist nicht die Bild-Zeitung. Im BONOBO'S ist wieder die uns netterweise kostenfrei und unverlangt unregelmässig zukommende Süddeutsche Zeitung im Briefkasten gelandet.

Also: Im Bereich Panorama (das ist die Seite auf der die gleichen Meldungen wie in der MoPo auf Seite 5 stehen) ein halbseitiger Bericht über die "Vermählung in Tausundundeiner Nacht". Untertitel: "Mit Prunk und Pomp heiratet der Kronprinz des Sultanats Brunei eine Bürgerliche - es ist Asiens Hochzeit des Jahrzehnts." Wir halten fest: Hochzeit - Bürgerliche und Prinz usw. Kennt man ja.

Zu lesen ist: "...Der mondgesichtige 30-Jährige studierte in Oxford islamische Wissenschaften und hat einen Abschluss in Diplomatie. Sie ist 17, Studentin und war auf einer Sprachreise. Sie lernten sich bei einem Sprachkurs in London kennen..." (Anmerkung: Cool, wenn man Oxford inzwischen ohne gute Englischkenntnisse abschliessen und nebenbei Minderjährige aufreissen kann...).

"...Sarah's Vater ist ein bruneiischer Adliger..." (Anmerkung: Selbstverständlich, deshalb ist die Braut ja bürgerlich...).

"...Den Prinzen und seine Frau verbindet der Sport. Er spielt Billiard und Fussball, sie liebt Basketball und Tauchen..." (Anmerkung: So viel Gemeinsamkeiten sind ja schon erschreckend: Während er versucht mit dem Queue den Ball ins Tor zu schieben, taucht Sie nach dem Ball um ihn ins Netz zu werfen...oder so...).

Aber, der absolute Hammer des Artikels, der Schlußsatz: "...Ihre Ehe wurde vergangenen Samstag in der großen Moschee von Bandar Seri Begawan geschlossen, nach traditionellem Ritus in ABWESENHEIT DER BRAUT!"...!!! (Anmerkung: Wahrscheinlich warf sie gerade ein paar Körbe oder war abgetaucht...).

Losgelöst von der neidischen Schreibe hat die Verfasserin unserers Erachtens das Wesentliche herausgearbeit: Die Braut war nicht da... und Milliarden Männer auf dieser Welt bekommen ein verzücktes Lächeln... Wahrscheinlich hat der Prinz es lieber mit Herrn Lehmann gehalten: Erst mal austrinken. Für die Verfasserin: Setzen, Sechs.

Neben der SZ haben wir leider aus Versehen Radio gehört: "...blabla.. der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi hat die Montagsdemos als epochales Ereignis bezeichnet... blabla ... am letzten Montag wurden in ganz Deutschland ca. 7.000 Demonstranten gezählt..." Nach 20 Minuten bekamen wir wieder Luft und das Lachen klang langsam glucksend aus. Dann der trockene Kommentar: Der Sozialquatscher vonne Gewerkschaft sollte mal zu Pauli (Anmerkung: Insider für FC St. Pauli) gehen, da kommen seit Jahren jedes Wochende 15.000 Fans hin und singen sich die Seele aus'm Leib. Das ist epochal. Und lustiger.

Und aus Hartz IV und der Rentenreform entspann sich die Diskussion über die Geburtststarken Jahrgänge. Und über Schröder als Häupling der Lemminge. Die dazu gehören - zu den Baby Boomern - wissen es längst: Da ist nichts mit Rente für alle. Wir sind einfach zu viele.

Und schon kam es aus der Ecke am Tresen: "DAMALS war das Gras nicht grün sondern hatte einen Namen wie schwarzer Afghane und der Rhein war noch richtig giftig. Da war die Gefahr nicht im Irak sondern vor der Haustür: atomare Mittelstreckenraketen, kalter Krieg, Baader/Meinhof/RAF. Da wurden während der Olympiade mal eben Israelis gekidnappt und massakriert, Schleyer und Ponto entführt und hingerichtet. Schilly verteidigte noch die Terroristen vor Gericht, schmuggelte private Dossiers aus Hochsicherheits-Gefängnissen, der Joschka warf noch Steine in Frankfurt und der Gerhard in Brokdorf." Betretenes Schweigen und zögerliches Nicken am Tresen.

Und dann der unglaubliche Übergang: "Wir hatten schon damals keine Zukunft mehr, warum sollten uns Hartz IV und die Rentenreform schocken? Unser Alterssitz wird wahrscheinlich ein staatliches Behelfs-Zelt-Altersheim rechts und links der Bahngleise in der Nähe von Pirna sein. Dort werden wir in jeweils 30 verrosteten Pritschen pro Zelt in zwei Schichten schlafen und bei täglich verringerter Lebensmittel-Ration langsam verrotten. Aber das mach ich nicht mit. Ich nicht. Seit mir das klar ist, trage ich unter meiner Zunge eine Kapsel mit McDonalds-Salatsauce. Mich kriegen die nicht."

Beifälliges Gemurmel der alten Weisen am Tresen. Und dann kam irgendwo aus der Ecke: Du bist in Ordnung, min Jung. Aber: erstmal austrinken. Und alle lächelten glücklich in ihr Glas. Seit diesem Gespräch tragen alle, die DAMALS am Tresen dabei waren, immer eine Kapsel mit McDonalds-Salatsauce unter der Zunge. UNS KRIEGEN SIE NICHT.

In diesem Sinne, das war's erstmal aus dem BONOBO'S. Am Donnerstag ist Thekengespräch. Wird bestimmt wieder lustig. Und nicht vergessen: PROST!. Herr Lehmann sagt: Immer erst austrinken. Wir wissen das. Immerhin sind wir die einzige Unternehmensberatung der Welt mit eigener Kneipe. Und wir haben die Kapseln mit McDonalds-Salatsauce.

Und ansonsten:

BONOBO'S Termine:

Do, 04.11.04, ab 17:30 Uhr, 22. TK-Thekengespräch: (http://www.bonobos.info/tknews_22.html)

Das BONOBO'S ist nur nach Vereinbarung und zu besonderen Anlässen geöffnet.
Mehr Info dazu unter: http://www.bonobos.info in der Rubrik "Öffnungszeiten".
Für gute Bekannte öffnen wir weiterhin immer gerne. Kurzer Anruf genügt.

Gruß vom Fischmarkt im Frühherbst. UNS KRIEGEN SIE NICHT.

für das Team vom BONOBO'S

Dirk Noellen